Grußwort beim Festgottesdienst am 6. Januar 2019

Liebe Festgemeinde,

„Vertraut den neuen Wegen“ – so haben wir eben gesungen. Vermutlich hat sich der Liederdichter Klaus-Peter Hertzsch damals vor 30 Jahren nicht träumen lassen, dass seine Verse, geschrieben für einen privaten Anlass - eine Hochzeit im Familienkreis - einmal so populär werden. Doch bedingt und beschwingt durch die Wende Ende 1989 ist das Lied dann geradezu zur Hymne für jede Art von Aufbruch und Neuanfang geworden.

Also auch für heute. „Wir gehen gemeinsam weiter“, schreiben die vier GKR-Vorsitzenden in ihrer Einladung zum Fusionsfest. Das heißt ja: eine wichtige Etappe ist zwar geschafft, aber wir sind noch nicht am Ziel. Die kirchenrechtliche Fusion mit einer Gemeindeleitung, einem Namen, einem Siegel, einem Logo ist gelungen, aber jetzt wollen wir noch weiter zusammenwachsen.

Pfarrerin Waetzoldt hat es in ihrer Begrüßung schon erwähnt: die Idee hierzu kam bereits vor etwa 6 Jahren auf. In die Öffentlichkeit gelangte sie vor etwas mehr als zwei Jahren, nach einer Studienfahrt des Reinickendorfer Pfarrkonventes im Jahr 2016 nach Amsterdam. Dort haben wir eine ehemals sehr protestantisch geprägte europäische Hauptstadt besucht, in der es heute gerade noch 2% evangelische Kirchenmitglieder gibt, dafür aber eine große Anzahl von kreativen, lokalen christlichen Initiativen, um das Evangelium wieder neu unter die Leute zu bringen. „Solange wollen wir nicht warten“, sagten sich die vier Pfarrer/innen der Gemeinden Tegel-Borsigwalde, „bis wir so wenige sind, dass wir keinen Entscheidungsspielraum mehr haben.“ Und sie begannen konkret die Fusion anzugehen. Später, vor der nächsten Konventsfahrt 2017, sagte ein langjähriges, hoch engagiertes Mitglied eines der Gemeindekirchenräte zur mir: „Aber dass Sie nicht wieder so eine Fahrt machen, wo die Pfarrer auf verrückte Ideen kommen!“ – Nein, wir sind ganz artig nach Wittenberg gefahren! Obwohl da vor 500 Jahren wesentlich verrücktere Ideen entstanden sind…

Jetzt begann in den vier Gemeinden ein spannender Prozess mit Sondierungsgesprächen, gemeinsamen GKR-Sitzungen, Workshops zu verschiedenen Themen und Arbeitsbereichen, Treffen der Beiräte und der Ehrenamtlichen, dann wurde ein Zeitplan erstellt – und das alles unter der sachkundigen Anleitung und Begleitung einer professionellen Geschäftsführerin. Und immer wieder lag die Betonung darauf: Wir müssen nicht fusionieren, aber wir wollen es, damit wir uns gut aufstellen für die Zukunft.

„Wir gehen gemeinsam weiter“: noch ist der Weg nicht zu Ende, aber die Richtung unumkehrbar. Und heute, am Epiphaniastag 2019, wird schon einmal das Zusammenkommen gefeiert. Andernorts heißt der 6. Januar auch der Dreikönigstag – in diesem Falle müssten wir von einem Vierkönigstag sprechen. Und dieser Name erinnert an die berühmte Legende von dem geheimnisvollen vierten König, der auf seiner Reise zur Krippe von so vielen elenden und notleidenden Menschen beansprucht wurde, dass er erst 30 Jahre später sein Ziel erreichte – dann aber nicht mehr die Krippe, sondern das Kreuz. Das ist jetzt vielleicht eine sehr melancholische Anmerkung für den heutigen fröhlichen Anlass. Aber der Weg des vierten Königs erinnert uns auch daran, dass keine Gemeinde Jesu Christi nur zu ihrem Selbstzweck existiert, sondern auf dem Wege ist um des Evangeliums und um der bedürftigen Menschen willen.

Auf diesem Wege möge Euch alle der Segen und Schutz des barmherzigen Gottes begleiten und die guten Wünsche des Kirchenkreises Reinickendorf!

Vielen Dank

 


Grußwort der Superintendentin Beate Hornschuh-Böhm anläßlich des Festgottesdienstes zur Fusion am 6.1.2019