Zur Jahreslosung 2018

Wasser ist Leben – ohne Wasser gäbe es kein Leben auf unserer schönen Erde, keine Pflanzen, keine Tiere, auch uns Menschen gäbe es nicht. Unser menschlicher Körper besteht im Durchschnitt zu 60 Prozent aus Wasser – kleine, neugeborene Kinder haben sogar einen Wasseranteil von bis zu 70 % im Körper, während der Anteil bei älteren Menschen immer mehr abnimmt und bei ca. 50% liegt. Wasser ist Leben.

Wasser ist für uns selbstverständlich – wir öffnen den Wasserhahn und haben jederzeit sauberes Trinkwasser zur Verfügung. Das ist aber nicht überall auf der Welt so. Der Weltwasserbericht der Vereinten Nationen stellt fest, dass zwei Drittel der Weltbevölkerung in Gebieten leben, die mindestens einige Monate im Jahr von Wasserknappheit betroffen sind. Wasser ist Leben. Wo es an Wasser mangelt, ist auch das Leben gefährdet.

»Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.« Dieses Wort wird von Menschen, die in Gebieten leben, wo Wasser nicht selbstverständlich verfügbar ist, sicher anders gehört als bei uns. Für sie hat Wasser einen ganz anderen Stellenwert. Sie wissen, was es bedeutet, durstig zu sein. Sie wissen, wie erfrischend und lebenspendend ein Glas frisches, klares Wasser sein kann. Es werden große Anstrengungen unternommen, um an das dringend notwendige Wasser zu gelangen: Brunnen werden gebaut, Regenwasser wird aufgefangen und gespeichert, Meerwasserentsalzungsanlagen werden gebaut.

Wasser ist Leben – unser Körper benötigt es zum Leben. Und der Durst nach Wasser ist in vielen Ländern dieser Erde nicht leicht zu stillen. Und wie ist es mit dem Durst nach Leben? Diesen Durst kennen wir hier in den wasserreichen Gegenden der Erde gut. Und wir unternehmen große Anstrengungen, um diesen Durst zu stillen: Manche suchen Grenzerfahrungen in sportlichen Betätigungen, andere Befriedigung durch Konsum, im beruflichen Erfolg, wieder andere in der Welt der Medien oder an anderen Orten. Aber all das macht uns nicht wirklich glücklich, stillt nicht wirklich unseren Durst nach Leben.

Gott will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers. Er hat das Wasser, das den Lebensdurst stillen kann. Bei ihm können wir das finden, was wir brauchen… nur suchen wir es vielleicht viel zu selten bei ihm – und bleiben durstig.

Gott lädt uns ein, uns ihm zuzuwenden und von seiner Quelle zu trinken, es ist genug für alle da. Und wie diese Quelle wirken kann, davon erzählt eine Geschichte, die Leo Tolstoi geschrieben hat:

»Ein kleines Mädchen sorgte sich um seine kranke Mutter. Es wusste, sie brauchte dringend Wasser, sonst würde sie sterben. Das Mädchen stand frühmorgens auf, nahm einen Krug und machte sich auf den Weg, um einen Brunnen zu suchen. Den ganzen Tag ging es unter der heißen Sonne, aber es konnte kein Wasser finden. Müde, enttäuscht und durstig legte sich das Mädchen am Abend auf die harte Erde und schlief ein. Da hatte es einen wunderbaren Traum: Es hörte eine Quelle plätschern und sah, wie der Krug bis zum Rand mit klarem Wasser gefüllt wurde.

Als das Mädchen am Morgen aufwachte, stand neben ihm der gefüllte Krug. Voller Freude sprang es auf und dachte: jetzt kann ich endlich meinen Durst löschen! Doch da fiel ihm die kranke Mutter ein, die das Wasser doch so nötig hatte. Eilig nahm es den Wasserkrug und wollte nach Hause laufen, doch beinahe wäre es gestolpert: Vor ihm auf dem Boden lag schwach vor Durst ein kleiner Hund. Da tat das Hündchen dem Mädchen leid. Es schöpfte mit seiner Hand Wasser und gab dem Tier zu trinken. Schon fand der kleine Hund Kraft und sprang davon.

Zum Erstaunen des Mädchens war der Wasserkrug aber nicht leerer geworden. Und mehr noch: er war auch nicht mehr aus Ton, sondern aus Silber und schimmerte wie der Mond. Voll Staunen eilte das Mädchen weiter. Da traf es eine alte Frau und einen alten Mann, die am Weg saßen, elend vor Durst. Das Mädchen sah ihre Not und gab ihnen zu trinken. Dankbar blickten die alten Leute dem Mädchen nach. Jetzt strahlte der Wasserkrug in leuchtendem Gold und war noch immer bis zum Rand voll mit Wasser.

Vorsichtig trug es den Krug nach Hause und rief: “Mutter, Mutter, ich habe Wasser für dich!” Das Mädchen reichte zuerst der kranken Mutter ein Glas Wasser und trank dann selbst. Und siehe, der Wasserkrug war über und über mit funkelnden Edelsteinen besetzt. Aus jedem Stein sprudelte eine Quelle frischen Wassers.

Das Mädchen trug den Krug ins Freie und das Wasser lief über das dürre Land. Viele Bäche ergossen sich über die Erde, und überall, wohin sie flossen, grünte es. Die Gräser und Blumen begannen wunderschön zu wachsen. Die Bäume streckten die Äste empor. Die Tiere kamen und löschten ihren Durst. Die Menschen füllten ihre Krüge tranken sich satt und freuten sich. Die Erde war ein wunderbarer Garten.

Dann wurde es Nacht. Alles war ruhig und still, nur das Wasser hörte man fließen. Im Schlaf träumte das Mädchen, dass die Quellen und Bäche sogar über die Erde hinausflossen in den weiten Himmelsraum. Und es sah, wie aus jeder Quelle ein Stern emporstieg. Aus den leuchtenden Sternen entstand ein Sternbild, das den Menschen Gutes verheißt: „Die Liebe macht die Erde schön, sie kann Vertrocknetes zum Leben erwecken.”«

Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. Und wenn wir diese Quelle gefunden haben: behalten wir sie nicht für uns allein, erzählen wir anderen davon, teilen wir sie mit ihnen. Denn diese Quelle wird nicht weniger, sondern mehr, wenn wir sie miteinander teilen.

Pfarrerin Stephanie Waetzoldt


(Foto: Jean-Otto Domanski)
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