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Wer fühlen will, muss hören

Wer fühlen will, muss hören
Veröffentlicht am So., 2. Mai. 2021 21:30 Uhr
Aus der Gemeinde ...

„Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder“
(Psalm 98,1)

»Wer fühlen will, muss hören.« Dieser Werbespruch einer süddeutschen Radiostation gefällt mir schon wesentlich besser als der schreckliche Ausspruch aus Kindheitstagen »Wer nicht hören will, muss fühlen«. Und er weist insbesondere auf die Emotionen hin, die wir beim Klang von Musik erleben – sei es beim Hören oder selber Musizieren. Und weil es mit dem selber Musizieren seit der ersten Welle der Pandemie nicht mehr richtig klappen konnte – zumindest in der Gemeinschaft von Musizierenden - habe ich mich verstärkt auf das Hören und Sehen bei Youtube verlegt.

Es war schon ein emotionaler Genuss zu erleben, wie viele fähige Musiker*innen auf der Welt im Stande sind, die Musik der hochbegabten Komponist*innen beeindruckend umzusetzen. Insbesondere die Werke, die ich in der Vergangenheit selber musiziert habe, wurden in der einen oder anderen Interpretation gehört und geschaut. Aber es war irgendwann nur noch retrospektiv, was ich erlebte. Und so, wie ich beim Essen und Kochen frisch Zubereitetes mag, erinnerte mich dieses geschmälerte Musikerlebnis langsam an die Dosenravioli, die vor einem Jahr in den Supermärkten neben Nudeln und Toilettenpapier hochgestapelt in den Regalen zu finden waren – oder auch nicht. Und je länger der Zustand des isolierten Musizierens andauerte, kam ich zu der Erkenntnis: Wer fühlen will, muss in der Gemeinschaft musizieren oder einem originalen Hörerlebnis lauschen.

Aus dieser Erfahrung, auf das Singen und Musizieren als etwas emotional Befreiendes verzichten zu müssen, können wir mit dem Psalm 98 am Sonntag Kantate doch etwas mitnehmen für die Zukunft. Wenn es heißt, wir sollen ein „neues Lied“ singen, dann muss nicht gemeint sein, die alten, vertraut gewordenen Gesänge wegzulegen. Wenn wir wieder gemeinschaftlich singen dürfen, werden wir wohl eine neue Erfahrung mit dem Singen und Musizieren machen. Wir werden die klingende Gemeinschaft hoffentlich wie ein Wunder neu erleben. Das bisher Gewöhnliche wird uns wohl als Befreiendes vorkommen. Ich wünsche uns allen, dass wir bis dahin noch optimistisch durchhalten können.

Ihr
Michael Lent