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Vegetationspause

Vegetationspause
Veröffentlicht am So., 10. Jan. 2021 08:57 Uhr
Aus der Gemeinde ...

Im Januar ist der Garten ein eher trüber Anblick – passend zum Berliner Wetter, Grau in Grau. Geht man durch den Garten, gibt’s da nichts zu tun, nichts wächst wild und müsste abgeschnitten werden, nicht einmal Unkraut. Immergrün ist Immergrün, alles andere ist kahl. Pause. Vegetationspause.

Wir wissen jedoch schon immer, dass das notwendig ist, damit es im Frühjahr und Sommer wieder sprießen und blühen kann. Deshalb kann man sich auch an dem etwas trüben Anblick erfreuen, weil darin, in aller Verborgenheit des Winters, so viel Hoffnung und Freude steckt.

Bei den Begegnungen in der Weihnachtszeit, vor der offenen Kirche beispielsweise, überraschte mich, dass etliche Personen, mit denen ich ins Gespräch kam, zu mir sagten, dass der Lockdown doch auch etwas Positives hat. Pause ist gut.

In Anbetracht der vielfach krisenhaften Weltsituation, der Klimakrise, der krisenhaften Auswirkungen der Globalisierung (fast alles wird in Asien unter übelsten Bedingungen produziert), Wirtschaftskrisen, Finanzkrisen, Flüchtlingskrisen... kann unserer Welt, unserer Gesellschaft so eine unfreiwillige Pause nur guttun. Wir haben es gebraucht.

Allerding wäre es nur dann dauerhaft positiv zu bewerten, wenn das neuerliche Erblühen unter neuen Bedingungen geschieht, wenn dauerhaft der Klimawandel durch weniger CO2-Verbrauch gestoppt würde, wenn die Schulen endlich in allen Klassenzimmern gleichzeitig von allen Schülern benutzbares WLAN bekämen, wenn die Produktion von dringend hier gebrauchten Gütern auch wieder hier stattfinden würde usw. Die Hoffnung kann man ja haben. Allein, nach fast einem Jahr Pandemie, scheint sich da noch nicht so viel in diese Richtung zu entwickeln.

Die Pause ist gut – aber nutzen wir sie auch?

Ihr
Pfarrer Jörg E. Vogel