Freude

Freude
Veröffentlicht am Mo., 14. Sep. 2020 10:04 Uhr
Aus der Gemeinde ...

Es ist kurz vor 17:30 Uhr, voller Wiedersehens- und Vorfreude stehe ich am verabredeten Treffpunkt. Die S-Bahn hat etwas Verspätung und meine Freundin, die ich seit vier Jahren nicht mehr gesehen habe, kommt ein paar Minuten später.

Das ist nicht schlimm, denn auf die paar Minuten kommt es nach dieser langen Zeit auch nicht mehr an. Schwer war es für uns einen Termin zu finden, bevor sie wieder in ihre aktuelle Wahlheimat zurückfliegt.

Wir haben uns extra früher getroffen, um noch eine Runde spazieren zu gehen und zu erzählen. Soviel ist in den letzten Jahren passiert. Nachdem ich sie in Nicaragua besucht habe hat sie schon wieder viel erlebt, wohnte zwischendurch in Kuba, Mexiko und nun in Chile. „Wie lange?“ das ist die Frage. Mein letzter Besuch bei ihr ist uns beiden in guter Erinnerung geblieben. Wir waren so dankbar für die gemeinsame Zeit, die wir dort verbringen konnten. Und während wir nochmal zurück schauen auf die Zeit in Nicaragua, wird uns deutlich, wie negativ sie doch in den letzten Wochen ihres Aufenthaltes dort über das Land gesprochen hat. Ich sage ihr auch immer wieder, dass sie selten etwas positives über das Land und die Menschen dort formuliert hat.

In diesen Wochen steht sie wieder vor der Entscheidung: Weiterziehen? Wohin? Oder doch lieber bleiben? Alles offen. Doch eines ist mir während unserer Unterhaltung an diesem Abend aufgefallen: So negativ wie sie die anderen Male immer gesprochen hat, ist es diesmal nicht. Ein bisschen habe ich die Hoffnung, dass ich sie an ihrem aktuellen Wohnsitz doch noch besuchen kann. Das sage ich ihr an diesem Abend auch und sie lächelt mich an.

Wie ist es denn bei Ihnen? Denken sie immer positiv? Fallen Ihnen immer die Situationen und Momente ein, in denen sie dankbar waren? Welche Frage könnten Sie spontan schneller beantworten? Für was sind sie in der letzten Woche dankbar gewesen? Was ist gut gelaufen? Was lief nicht so gut?

Ich tippe, es ist die zweite Frage geworden auf die Sie schneller eine Antwort haben als auf die erste?! In einer Studie im Jahr 2003 haben sich Prof. Emmons und sein Kollege McCollough mit der Frage der Dankbarkeit und den Auswirkungen auf unser Wohlbefinden und unseren Körper beschäftigt. Deutlich wurde dabei, dass sich Dankbarkeit und positive Einstellungen positiv auf unser Wohlbefinden und unseren Körper auswirken. Leicht ist es nicht, immer positiv und dankbar zu sein, sind wir doch eher schnell dabei das Negative zu sehen und uns daran zu erinnern.

Der Wochenspruch für diese Woche bringt es aber auf den Punkt: "Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat." (Ps 103,2)

Dorothee Sölle hat als geistliche Übung formuliert, täglich drei Dinge zu benennen, für die wir Gott dankbar sind. Welch wunderbare Übung und welch schönes Angebot, das sowohl der Psalmbeter uns macht als auch Dorothee Sölle. Fühlen Sie sich eingeladen es auszuprobieren.

Bleiben Sie behütet!

Ihre
Kirsten Goltz