Dein Glaube hat dir geholfen

Dein Glaube hat dir geholfen
Veröffentlicht am So., 23. Aug. 2020 13:30 Uhr
Aus der Gemeinde ...

Wissen Sie noch, was sie in der Schule am besten behalten haben? Ich wette, es waren die Dinge, auf die Sie selbst gekommen sind. Das, was Sie sich selbst erarbeitet haben. Am eindrücklichsten ist das, was wir selber gemacht und durchgemacht haben. So ist das auch später in unserem Leben. Von unserer eigenen inneren Beteiligung hängt ab, wie viel wir davon haben und was daraus wird.

Das gilt sogar, wenn wir krank sind. Kluge Ärzte wissen, wie viel von der inneren Einstellung der Patienten abhängt. Auch Jesus wusste das. „Dein Glaube hat dir geholfen.“ Diesen Satz sagt er an mehreren Stellen. Am eindrücklichsten finde ich die Geschichte des Blinden von Jericho (nachzulesen in der Bibel im Lukas-Evangelium, Kapitel 18). Der Blinde sitzt am Wegrand und bettelt. Eine andere Möglichkeit, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, gibt es nicht. Als er die vielen Menschen hört, will er wissen, was los ist. Sie erzählen ihm, dass Jesus kommt. Und er fängt an zu rufen: „Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner!“ Die Umstehenden wollen ihn zum Schweigen bringen, aber er schreit nur noch lauter. Und Jesus bleibt stehen, ruft ihn zu sich und fragt: „Was willst du? Was soll ich für dich tun?“

Der Blinde nimmt sein Schicksal selbst in die Hand. Er kann sich nicht selber heilen, aber er weiß, wo er Hilfe bekommt. Er macht sich auf. Gegen alle inneren und äußeren Stimmen, die sagen: Mach keine Umstände. Es hat keinen Zweck. Du machst dich lächerlich. Er aber nennt Jesus seinen Herzenswunsch: „Herr, ich will sehen können.“

Jesus heilt ihn. Und dann sagt er: „Dein Glaube hat dir geholfen.“ Er sagt nicht: „Ich habe dir geholfen.“ Oder: „Gott hat dir geholfen.“, obwohl das zweifellos richtig gewesen wäre. Er sagt: „Dein Glaube hat dir geholfen.“ Jesus würdigt sein Vertrauen. „Dein Vertrauen hat dir geholfen.“, so kann man den Satz Jesu auch übersetzen. Glaube und Vertrauen sind in der Sprache der Bibel dasselbe Wort.

Ich kenne viele, denen dieses Vertrauen geholfen hat. Sie nehmen ihr Leben selbst in die Hand und tun, was in ihrer Macht steht. Sie organisieren sich die Hilfe, die sie bekommen können. Und was nicht in ihrer Macht steht, vertrauen sie Gott an. Zugleich wissen sie, dass man dieses Vertrauen - gerade wenn es einem schlecht geht - nicht machen kann. Es ist ein Geschenk. Aber auch darum kann man bitten.

Ihr
Pfarrer Jean-Otto Domanski