Er hilft, Lasten zu tragen

© Unsplash
Veröffentlicht am Sa., 20. Jun. 2020 21:24 Uhr
Aus der Gemeinde ...

Alles „abladen“ dürfen, was mir auf dem Herzen liegt. Mir alles von der Seele reden – ganz ohne auf die Wortwahl zu achten oder mir Gedanken darüber zu machen, ob das, was ich da sage oder denke gerecht anderen gegenüber ist. »Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid!« sagt Jesus. (Matthäus 11,28) 

Der Wochenspruch erinnert uns daran, dass genau dieses „der Seele einmal Luft machen“ bei Jesus nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht ist. Er hat immer ein offenes Ohr für uns und unsere Sorgen und Nöte. Und die Dinge, die uns belasten, das sind ja Nöte!

Ich will euch erquicken, sagt Jesus dann. Und wirklich, ich habe oft die Erfahrung gemacht, dass es mir gut tut, mir einmal alles von der Seele zu reden, dass ich einen Adressaten habe, bei dem ich das alles, was mir auf der Seele liegt, einmal abgeben darf. Ich erfahre das als eine Erleichterung, ich kann danach wieder freier an meine Aufgaben herangehen, mit mehr Energie und Phantasie, mit einem offeneren Herzen und offeneren Augen, Ohren und Händen.

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid! Was für eine wundervolle Einladung Jesu. Wir dürfen, sollen zu ihm kommen, denn er kann uns von unseren Lasten befreien: „Erquicken“ ist das Wort, das in der Lutherübersetzung steht. Es ist ein nicht mehr sehr gebräuchliches Wort. Im Duden steht zur Bedeutung von „erquicken“: neu beleben, stärken, erfrischen.

Dabei „zaubert“ er unsere Lasten nicht einfach weg - sein Angebot ist ein anderes: Er gibt uns neue Kraft, die vorhandenen Lasten zu tragen. Er zeigt uns neue Perspektiven auf, neue Lebensmöglichkeiten trotz der Belastungen in unserem Leben. Er lädt uns ein, unnötige Lasten abzulegen, uns von Ballast zu trennen, den wir uns selbst aufgeladen haben und der uns völlig sinnlos niederdrückt. Und wenn es nicht anders geht, wird Jesus sich einfach mit unter unsere Lasten stellen, wird uns helfen, diese Lasten zu tragen.

Wenn wir auf dieses Angebot zugehen, wenn wir anfangen zu vertrauen, dass dies wirklich wahr werden kann, dann kann sich unser Blick auf manches, was uns belastet, verändern: Zeiten von Krankheit oder Arbeitslosigkeit müssen uns nicht in die Resignation führen, wir können den Kampf aufnehmen, gebotene Chancen nutzen, neue Möglichkeiten suchen. Wenn uns Hassgefühle im Griff haben, uns langgepflegte Feindschaft blockiert, ist es höchste Zeit, uns von diesem Ballast zu trennen und versöhnlich auf den Anderen zuzugehen. Wenn Sinnlosigkeit und Traurigkeit auf uns lasten, können wir auf Jesus zugehen und seine Kraft in Anspruch nehmen. Er kann uns unterstützen und verhindern, dass wir zu Boden gedrückt werden.

Statt unter Leistungsdruck und Perfektionismus zusammenzubrechen hilft uns Jesus, unsere Begrenztheit zu akzeptieren und auch mit weniger zufrieden zu sein. Wenn wir uns ihm anvertrauen, können wir diese Befreiung erleben. Die Einladung steht: »Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.« (Matthäus 11,28)

Ihre
Stephanie Waetzoldt

Bildnachweise: