Der 5. Psalm ist ein Lied

Der 5. Psalm ist ein Lied
Veröffentlicht am Mo., 25. Mai. 2020 20:51 Uhr
Tageslosung mit Auslegung

„Herr, frühe wollest du meine Stimme hören, frühe will ich mich zu dir wenden und aufmerken.“
(Psalm 5,4)


Die Worte stammen aus dem 5. Psalm und – so steht es gleich im 1. Vers des Psalms - von David und sie sollen zu Flötenspiel gesungen werden. Der 5. Psalm ist also eigentlich ein Lied.

In den ersten Versen, zu denen auch noch der unserer Tageslosung gehört, ruft David Gott an: „HERR, höre meine Worte, merke auf mein Seufzen! Vernimm mein Schreien, mein König und mein Gott; denn ich will zu dir beten. Herr, frühe wollest du meine Stimme hören, frühe will ich mich zu dir wenden und aufmerken.“

In den darauffolgenden Versen grenzt sich David ab gegen Menschen, die „böse“ sind: Frevler, Ruhmredige, Übeltäter, Lügner, Blutgiere und Falsche. Er selbst gehört nicht zu ihnen. Offenbar leidet er aber sehr unter ihnen. Er gibt seinem Vertrauen Ausdruck, dass  diese Menschen keine Gnade bei Gott finden werden, ja, er wünscht sich sogar, dass Gott sie „vernichten“ und „verstoßen“ möge.

Solche Gebetsanliegen, die ja immer wieder einmal in den Psalmen auftauchen, wirken auf mich zuerst immer etwas abstoßend und ich denke: Warum steht so etwas nur in der Bibel? Und dann wird mir wieder klar: Ja, das ist eben das wunderbare am Gebet, zu dem uns die Tageslosung heute Mut machen will: wir dürfen Gott alles sagen, wir dürfen ihm alles anvertrauen und ihn um alles bitten. Wir dürfen Gott gegenüber unserem Herzen Luft machen, unsere Gedanken – auch die bösen – aussprechen. Bei ihm sind sie gut aufgehoben. Und, Gott sei Dank, was Gott aus dem, was wir ihm anvertrauen macht, steht ganz in seinem Willen. Mit Gott zu reden kann wunderbar entlastend sein, wenn wir die schweren Dinge bei ihm lassen können.

Am Ende des Psalm bittet David dann noch um ein gutes Leben für sich und die Menschen, die auf Gott vertrauen. Nicht nur für sich betet David, sondern auch für die, die Gott nahe sind. Was für ein schöner Abschluss dieses Gebetsliedes.

Ihre
Stephanie Waetzoldt