Segen oder Fluch?

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Veröffentlicht am Sa., 23. Mai. 2020 09:05 Uhr
Tageslosung mit Auslegung

Mose sprach: Siehe, ich lege euch heute vor den Segen und den Fluch: den Segen, wenn ihr gehorcht den Geboten des HERRN, eures Gottes, die ich euch heute gebiete; den Fluch aber, wenn ihr nicht gehorchen werdet den Geboten des HERRN, eures Gottes.
(5.Mose 11,26-28)


Im 5. Buch Mose hält dieser eine lange Rede an das Volk Israel, das sich an die Überquerung des Jordans aufmacht, um das von Gott verheißene Land endlich - nach der langen Wüstenwanderung – in Besitz zu nehmen. Da Mose die Inbesitznahme nicht mehr erleben wird, legt er diese Mahnrede als ein Grundgesetz für das künftige  Handeln dem Volk ans Herz. Genauer wird gesagt: „Ihr sollt diese Worte an euren Handgelenken tragen“, wie so mancher Armschmuck zur Konfirmation als Erinnerung und Begleitung  für den weiteren Lebensweg an den Heranwachsenden  verschenkt wird.

Der Segen Gottes wird in diesem Text an Bedingungen geknüpft. Das Volk Israel muss nun einerseits ohne Mose weitgehend eigenverantwortlich die Zukunft bestreiten. Andererseits  muss es bei aller Eigenverantwortung für sein richtiges Tun und Handeln gegenüber Gott einstehen.

Es geht also wie heutzutage um die Frage nach dem Ob und Wie unserer Handlungen. Es muss viel überlegt und bedacht sein, bevor wir unsere Entscheidungen treffen.  Fehlentscheidungen in wichtigen Fragen wie Beruf, Karriere und Lebensgestaltung können weitreichende Folgen für unser Leben haben. Aber beim Abwägen steht nicht nur die Frage im Raum „Was ist zu tun“, sondern „Was sollen wir tun“. Wer nach dem Sollen fragt, fragt also auch nach dem Segen Gottes, den sein Handeln für ihn und die Mitmenschen bewirkt. Er macht nicht allein sich und seine Ziele zum Maß der Dinge.

In der Phase der ersten Lockerungen während der Corona-Krise freuen sich derzeit viele über das, was sie endlich wieder dürfen. Die Frage, ob sie alles unbedingt tun sollen, was sie dürfen, scheint sich nicht immer zu stellen. Ich wünsche uns, bei den Entscheidungen für unser Tun oder Lassen immer zu überlegen, ob sie für uns und die anderen zum Segen oder Fluch werden können.

Ihr
Dr. Michael Lent

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