Schlaflos in Seattle

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Veröffentlicht am Mi., 20. Mai. 2020 20:21 Uhr
Tageslosung mit Auslegung

Die ihr den HERRN liebet, hasset das Arge!
(Psalm 97,10)


„Ich hasse dich, ich hasse dich, ich hasse dich!“ Mit der ganzen Kraft seiner kindlichen Wut schleudert der kleine Jona den durch Wiederholung verstärkten Satz seinem Vater entgegen. Der hört noch, wie sein Sohn die Tür knallt, dann steht er erschrocken und auch wütend draußen. Und das alles wegen einer Frau, um der Liebe willen. Nur um der Liebe willen. Großes Kino. Große Gefühle. Liebe, Hass. Liebe, Leidenschaft. Liebe, Wut. Liebe, Tränen. Liebe, Happy End.

Doch zunächst herrscht viel Schlaflosigkeit in diesem Film, bis Jona endlich für seinen Vater eine neue Liebe gefunden hat. Mit dem Urvertrauen, wie es geliebte Kinder haben, wagt sich Jona ins Leben und macht auch vor den ganz großen Gefühlen nicht halt. Sein „ich hasse dich“ gehört dazu. Leidenschaftlich, kindlich.

Der erwachsene Vater lernt auch dazu. Sein Kind hasst ihn nicht. Aber Jona hasst das Arge. Geliebte Kinder sind arglos, ohne Arg. Sie sind nicht von vornherein argwöhnisch. Sie vermuten nicht hinter jeder Ecke Verrat und denken zunächst nicht, dass ihnen der andere den Boden unter den Füßen wegziehen wird. Aber es kann passieren, dass sie zu Verrätern am Leben heranwachsen oder gar herangezogen werden; dass sie tiefe Liebe niemals kennenlernen. Dass das Arge, das Böse, sie zu hassenden Menschenkindern werden lässt. Und dass manchmal am Ende nicht die Liebe steht, sondern die Gleichgültigkeit. Und die bedeutet immer den Tod jeder Beziehung.

Das Psalmwort ist eindeutig. GOTT zu lieben, mit ganzer Kraft, mit allem Gemüt, mit allen Begabungen bedeutet, gegen das Gift des Hasses anzugehen. Mit aller Leidenschaft, sogar mit liebender Wut. Da, wo die Dinge im Argen liegen, braucht es Liebende. Wie das geht, können wir die Kinder fragen. Die wissen das.

Bleiben Sie Liebende!

Ihre
Pfarrerin Barbara Gorgas

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