Ich denke manchmal an...

© By Ferdinand Brunner | Wikimedia Commons
Veröffentlicht am So., 17. Mai. 2020 17:34 Uhr
Tageslosung mit Auslegung

Herr, du gabst unsern Vätern deinen guten Geist, sie zu unterweisen.
(Nehemia 9:20)


Im alttestamentlichen Buch Nehemia wird der Wiederaufbau der in Trümmern liegenden Stadt Jerusalem beschrieben.

Danach erinnern sich die Beteiligten in einem langen Gebet an das, was Gott ihren Vorfahren Gutes getan hat und danken ihm dafür. „Herr, du gabst unsern Vätern deinen guten Geist!“ Der Glaube unserer Vorfahren ist wichtig für unseren Glauben.

Ich denke manchmal an meine Tante. Als Bäuerin war sie überaus naturverbunden und konnte sich überhaupt nicht vorstellen, dass ich in einer Stadt wie Berlin leben und dort glücklich sein konnte.

Sie hat es schwer gehabt in ihrem Leben. Sie war ein knappes Jahr verheiratet und hatte gerade ein Kind zur Welt gebracht, da wurde ihr Mann zum Kriegsdienst eingezogen. Er wurde dann in Russland vermisst. Der Hof musste ohne ihn weitergeführt werden, das Kind ohne ihn aufwachsen. Meiner Tante blieb die Erinnerung an ein sehr kurzes Glück.

An ihrem Glauben hielt sie zeitlebens fest. Sie liebte die Kirchenlieder, kannte viele von ihnen auswendig und sprach manchmal davon, welche Hilfe ihr diese Lieder waren. Als ich durch eine schwere Zeit ging, schrieb sie mir und legte einen Liedvers bei. Sie hat es nie gesagt, aber ich bin sicher, dass sie für mich betete.

„Herr, du gabst unsern Vätern deinen guten Geist!“ Diesen Geist konnte ich spüren, wenn ich mit meiner Tante zusammen war. Ich will mich immer wieder daran erinnern, dass Gott mit ihr war. Und glauben, dass er in gleicher Weise auch mit mir sein wird.

Ihre
Regina Schlingheider

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