Das Ziel vor Augen

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Veröffentlicht am Sa., 16. Mai. 2020 07:00 Uhr
Tageslosung mit Auslegung

Der Himmel wird wie ein Rauch vergehen und die Erde wie ein Kleid zerfallen, und die darauf wohnen, werden wie Mücken dahinsterben. Aber mein Heil bleibt ewiglich.
(Jesaja 51,6)


Der Prophet Jesaja befindet sich mit seinem jüdischen Volk in einer spannungsreichen Übergangssituation. Der Perserkönig  Kyrus hat das babylonische Reich besiegt und die Juden aus dem Exil in Babylon entlassen.  Er hat sogar Unterstützung beim Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem zugesagt. Das jüdische Volk kann nun nach der  Gefangenschaft  einen Wiederaufbruch wagen und hat ein großes, aber noch fernes  Ziel vor Augen.

In dieser Situation sucht Jesaja Mitstreiter*innen, die keine  zweite Wüstenwanderung durch Judäa scheuen und Jerusalem aus den Trümmern wieder erstehen lassen wollen. „Hört mir zu, die ihr der Gerechtigkeit nachjagt, die ihr den Herren suchet.“  So beginnt der Vers, mit dem Jesaja  zwischen dem „jetzt noch in Babylon“ und dem „übermorgen in Jerusalem“ den Kompass des Glaubens in die Hand nimmt um zu prüfen, ob das Volk noch die Zusagen Gottes kennt und in die neue Zukunft hinein tragen will. Die Rückkehr nach Jerusalem soll nur eine Zwischenstation des Volkes sein. Vor dem in der heutigen Tageslosung zitierten, verstörenden Bild der Vergänglichkeit von Himmel, Erde und von Bewohnern entfaltet der Prophet das eigentliche Zielbanner, auf dem steht: „Lebt in Gerechtigkeit, seid gewiss, dass Gottes Heil ewiglich bleibt.“

In Gerechtigkeit leben bedeute hierbei, Gott als unser  Gegenüber zu sehen und dabei seinem Willen gerecht zu werden. Auch wenn wir auf dem Weg zu diesem Banner hin straucheln, fallen oder weg von diesem Ziel laufen wollen, sagt er uns: „Steht wieder auf. Meine Gerechtigkeit wird sich als eure Rettung erweisen.“

Wir selber haben einige Versprechen durch ein „Ja mit Gottes Hilfe“ bekräftigt,  und ich wünsche uns, dass wir den eigenen Worten weiterhin vertrauen können.

Ihr
Dr. Michael Lent

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