Leben nach dem Tod

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Veröffentlicht am Mi., 1. Apr. 2020 09:09 Uhr
Tageslosung mit Auslegung

Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich.
(1. Korinther 15, 42)


Gibt es so etwas wie ein Leben nach dem Tod, eine Hoffnung, die über unsere irdische Existenz hinausgeht? Mit dieser Frage schlagen sich schon die Autoren der Bibel herum. Und die Antwort darauf fällt nicht so eindeutig aus, wie man meinen möchte. In der Hebräischen Bibel, die wir das Alte Testament nennen, taucht so etwas wie die Vorstellung eines Lebens nach dem Tod oder einer Auferstehung der Toten nur an ganz wenigen Stellen auf. Weit verbreiteter ist die Anschauung, dass mit dem Tod alles endet, auch die Gottesbeziehung. So heißt es in den Psalmen und beim Propheten Jesaja: Die Toten loben Gott nicht und warten nicht auf seine Treue. Die Vorstellung einer Seele, die nach dem Tod weiterlebt, war ihnen fremd.

Auch zu der Zeit Jesu war der Glaube an ein Leben nach dem Tod alles andere als Allgemeingut. Für die Sadduzäer, eine konservative Partei aus Priestern, Kaufleuten und Großgrundbesitzern, galten nur die fünf Bücher Mose als Heilige Schrift. Und weil sich dort nichts über eine Auferstehung der Toten oder ein ewiges Leben findet, glaubten sie auch nicht daran

Das Neue Testament berichtet, dass Jesus von ihnen gefragt wurde, mit wem denn eine Frau, die Witwe wird und wieder heiratet, dann im Himmel verheiratet sei. Sie fragen Jesus: Wie ist das denn mit einer Frau, wenn sie einmal, zweimal, ja wenn sie siebenmal verheiratet war und siebenmal Witwe wird. Wessen Frau ist sie dann im Himmel, wenn sie selbst stirbt? Die Frage zeigt, dass die Sadduzäer sich darüber lustig machen. Jesus antwortet ihnen: In der zukünftigen Welt geht es nicht mehr um heiraten oder geheiratet werden. Alles wird anders sein, als wir es uns vorstellen. Und er erinnert sie an die Urgeschichte Israels vom brennenden Dornbusch, wo Gott sich Mose vorstellt: "Ich bin der Gott Abraham, Isaaks und Jakobs." Zur Zeit Mose waren die drei Erzväter Israels jedoch bereits lange tot. Jesus folgert daraus: Gott ist kein Gott von Toten, sondern von Lebenden; denn für ihn sind alle lebendig. (Lukas 20,38)

Paulus argumentiert ähnlich wie Jesus. „Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. Es wird gesät in Niedrigkeit und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gesät in Armseligkeit und wird auferstehen in Kraft.“ So wie ein Weizenkorn, dass ausgesät und in die Erde vergraben wird nur wenig Ähnlichkeit hat mit der ausgewachsenen Ähre und ihrem Halm, so hat auch unser Leben hier wenig Ähnlichkeit mit unserem Leben bei Gott. Obwohl beides zusammenhängt

Diese Argumente erscheinen uns heute vielleicht fremd. Aber sie zeigen, dass auch zu der Zeit von Jesus und Paulus der Glaube an ein Leben nach dem Tod alles andere als selbstverständlich ist. Allerdings wird die Hoffnung immer drängender, dass Gott dem Tod nicht das letzte Wort überlässt, dass er den Unterdrückten und Ermordeten Recht schafft. Dass er kein Gott der Toten, sondern ein Gott der Lebenden ist. So wie er Jesus aus den Toten auferweckt hat. Das feiern wir jedes Osterfest und jeden Sonntag als Zeichen dieser Hoffnung. Auch in den Erzählungen von der Auferstehung Jesu wird deutlich, dass diese Hoffnung nicht aus einer Lehre vom Leben nach dem Tod - oder einer unsterblichen Seele - erwächst, sondern aus der Erfahrung der Treue Gottes, selbst im finstersten Abgrund der Verlassenheit.

Bleiben Sie behütet.

Ihr
Pfarrer Jean-Otto Domanski

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