Veränderungen sind gut

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Veröffentlicht am So., 29. Mär. 2020 11:59 Uhr
Aus der Gemeinde ...

Veränderungen sind gut.
Veränderung ist wichtig.
Das Leben ist Veränderung!

Aber musste es gleich so viel sein?

Zwangsläufig leben wir zurzeit alle mit einschneidenden Veränderungen unseres Lebens. Das ist nicht einfach. Es ist belastend und stellt uns vor große Herausforderungen im persönlichen privaten Leben aber auch im gesellschaftlichen Zusammenleben und in der Arbeit. Und es ist sehr verschieden, wie Menschen mit Veränderungen umgehen können.

Ich finde es schwierig, wenn Menschen in der Vergangenheit leben und unbedingt am Alten festhalten wollen. Das verhindert Entwicklung. Die Kirche, auch unsere evangelische, ist in vielen Bereichen nicht fähig, moderne gesellschaftliche Entwicklungen positiv aufzunehmen. Vielfach wird nur bremsend reagiert und nicht agiert. Neue Ideen, neue Wege werden oft misstrauisch betrachtet. Die Bedenkenträger haben die Oberhand.

Wir singen beispielsweise in unseren Gottesdiensten im 21. Jahrhundert Lieder aus dem 16. Jahrhundert. Es gibt Menschen, die sich damit wohlfühlen, sich darin zu Hause fühlen. Für die Mehrheit der Menschen ist das jedoch mit ein Grund, sich von der Kirche abzuwenden. Tradition kann etwas sehr Gutes sein, wenn sie dazu dient, das Feuer zu schüren und lebendig zu halten, nicht jedoch, wenn sie nur die Asche konserviert.

Ohne einschneidende Veränderung unseres Kirche-Seins werden wir den Herausforderungen der Gegenwart nicht genügen können, werden wir für die Mehrheitsgesellschaft keine Relevanz mehr besitzen.

Ohne Veränderung gibt es keine Weiterentwicklung. Veränderungen tragen immer Chancen und Möglichkeiten in sich. Wer hätte noch vor ein paar Wochen für möglich gehalten, dass überall online Kirche gelebt werden kann. Ein Pfarrer in Italien hat sich von seinen Gemeindemitgliedern Selfies schicken lassen, diese in A4-Größe ausgedruckt und an die Kirchenbänke geklebt und so Gottesdienst gehalten. Mit viel Fantasie werden alle möglichen Wege ausprobiert, in der Gemeinde in Kontakt zu bleiben. In Zeiten von social distancing werden die modernen sozialen Medien überlebenswichtig und die gesellschaftliche Solidarität wächst. Es gibt mehr Hilfsangebote für das tägliche Leben als Bedürftige.

Entscheidend ist immer, was wir aus einer solchen Situation machen. Wenn sich etwas verändert, können wir darunter leiden und darüber jammern. Oder wir können überlegen, was uns diese neue Situation für Chancen und Möglichkeiten bietet. Mit einer Veränderung zu hadern, ist eine menschliche Reaktion, aber leider langfristig nicht sehr hilfreich.

Wenn wir Veränderungen wie die derzeitige nicht nur passiv hinnehmen wollen, dann müssen wir selber in unserem Lebensbereich Veränderung initiieren. Es ist großartig, wieviel Kreativität da zu erleben ist, auch von den Mitarbeitenden in unserer Gemeinde. 

Es ist eine schwierige Zeit jetzt, keine Frage. Es ist schrecklich, dass kaum medizinische Hilfe möglich ist und dass deshalb so viele Menschen sterben. Die Krise wird jedoch auch positive Auswirkungen haben, auf unsere Gesellschaft und wenn wir es zulassen auch für uns persönlich. Schwere Zeiten kreativ zu überstehen hilft immer im Leben, wir kommen dadurch voran. In solchen Zeiten lernen wir mit unseren Ängsten und Sorgen und dem damit verbundenen Stress besser umzugehen. Wir merken, was wirklich wichtig ist in unserem Leben und lernen, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren. Wir üben uns in Geduld und Gelassenheit und lernen so das Leben auch unter teilweise äußerst misslichen Umständen zu genießen.

Ich freue mich darauf, wenn wir so gestärkt und veränderungsbereit, nach dieser Zeit wieder in der Gemeinde zusammenkommen.

Bleiben Sie gesund!

Ihr Pfarrer
Jörg E. Vogel

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