Eine Freundin am Telefon

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Veröffentlicht am Mi., 25. Mär. 2020 14:46 Uhr
Tageslosung mit Auslegung

Ich bekenne meine Schuld, bekümmert bin ich meiner Sünde wegen. (Psalm 38,19)


Eine Freundin ist am Telefon, wir freuen uns, nach langer Zeit voneinander zu hören, miteinander zu sprechen. Schnell sind wir beim Tagesgeschehen. Die Schlagworte gehen hin und her. Abstand, Krise, Hamsterkäufe, Helden, Rettungsschirm, Finanzpaket, Atemschutz, Balkonien, Besuchsverbot…

Immer schneller wird unser Reden, jede von uns hat noch eins draufzusetzen. „Ja, so sind wir Menschen halt“, sagt die Freundin und ich will ihr sofort beipflichten. Da höre ich ein Zögern in ihrer Stimme. Sie schöpft Atem, dann sagt sie ganz klar und ruhig: „Das ist doch Quatsch, was ich da gesagt habe. Es muss heißen: Ich bin so!“ Der Moment der Stille, die auf ihre Worte folgt, kommt für mich aus der Ewigkeit.

Ja, ich bin so. Weil ich ein Mensch bin. Ein Mensch, der immer wieder neu in die Irre geht. Ein Mensch, der immer wieder andere Menschen allein lässt, der immer wieder vergisst, ein Mensch zu sein.

In den Psalmen wird diese Menschenvergessenheit immer wieder angesprochen und reflektiert. Ein Mensch betet, und erkennt, dass seine Rücksichtlosigkeit eine Abkehr von seinem Schöpfer, von Gott ist. Schuld und Sünde sind alte Worte dafür. Jede Tüte Mehl, die ich jetzt kaufe, nur um sie zu haben, macht den Sinn der Worte deutlich und ganz aktuell. 

Aus der Erkenntnis der Verantwortung für das eigene Ich erwachsen Umkehr und Vergebung. Denn Gott sagt immer neu sein großes DU zu uns. Er wartet auf unser „Ich bin so!“ Davon spricht die Schrift. Die Traurigkeit nach Gottes Willen wirkt zur Seligkeit eine Umkehr, die niemanden reut. (2. Korinther 7,10)

Meine Freundin hört mein: „Danke, für diese gute Nachricht“, ihr Lachen erreicht mein Herz. Dann reden wir weiter, bis ich sage: „Mach‘s gut, bleib gesund; ich muss jetzt einkaufen!“

Ihre
Barbara Gorgas

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