Als ob der Ton dem Töpfer gleich wäre

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Veröffentlicht am Di., 24. Mär. 2020 18:49 Uhr
Tageslosung mit Auslegung

Wie kehret ihr alles um! Als ob der Ton dem Töpfer gleich wäre, dass das Werk spräche von seinem Meister: Er hat mich nicht gemacht!, und ein Bildwerk spräche von seinem Bildner: Er versteht nichts! (Jesaja 29,16)


Alle miteinander bekleidet euch mit Demut. (1. Petrus 5,5)


Ohne dich, wo käme
Kraft und Mut mir her?
Ohne dich, wer nähme
meine Bürde, wer?
Ohne dich, zerstieben
würden mir im Nu
Glauben, Hoffen, Lieben,
alles, Herr, bist du.

(Cornelius Friedrich Adolf Krummacher 1857, Evangelisches Gesangbuch 407 Stern auf den ich schaue)

Wir Menschen haben viel erreicht. Wir reisen in ferne Länder und ins All, haben das Atom gespalten, das Genom entschlüsselt und entwickeln intelligente Maschinen. Wir sind mit Menschen weltweit verbunden. Viele Krankheiten haben ihren Schrecken verloren. In weiten Teilen der Welt haben wir die Armut besiegt und einen Reichtum geschaffen, der früheren Generationen zu Recht märchenhaft vorgekommen wäre. Dafür bin ich dankbar. Man muss sich nur einmal vorstellen, wir würden angesichts von Corona immer noch in einer Welt leben, in der Infektionskrankheiten mit Weihwasser und Aderlässen bekämpft würden.

Wir Menschen haben viel erreicht. Wahr ist aber auch, dass viele darüber vergessen haben, dass wir nicht die Macher, die Beherrscher unseres Lebens sind. Je sicherer das Leben wurde, desto leerer wurden die Kirchen. Jetzt erfahren wir schmerzlich, dass wir unser Leben nicht in der Hand haben. Wir haben uns nicht selbst zur Welt gebracht und sind nicht die Schöpfer unseres Lebens.

Die Bibel beschreibt Demut als die Haltung, die Christen angemessen ist. Dabei hat Demut nichts mit Unterwürfigkeit zu tun, sondern bedeutet ursprünglich: Mut zum Dienen. Mut für andere da zu sein, besonders in Zeiten, in denen das Leben unsicher wird und viele Selbstverständlichkeiten sich auflösen. Und es ist wunderbar zu sehen, wie viel Hilfsbereitschaft sich in dieser Zeit zeigt.

Manchmal erkennen wir gerade dann, wenn das Leben bedroht wird, dass es ein Geschenk ist. Und dass wir nicht tiefer fallen können, als in Gottes Hand.

Bleiben Sie behütet.

Pfarrer
Jean-Otto Domanski

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