In Zeiten wie diesen

In Zeiten wie diesen
Veröffentlicht am So., 22. Mär. 2020 08:49 Uhr
Aus der Gemeinde ...

Warum sind wir hier?
Sind wir hier um Egoist zu sein?
Nein dafür sind wir nicht hier,
wir sind hier um Mensch zu sein.

In Zeiten wie diesen
ist es Zeit neu anzufangen!
In Zeiten wie diesen,
halten wir an uns fest

Diese Zeilen sind einem Song der Pop-Rock-Band Silbermond entnommen. Zusammengefunden in einem Umfeld christlicher Jugendarbeit veröffentlichte die Band dieses Lied bereits im Jahr 2006 - dennoch ist es so passend in unserer jetzigen Zeit. In Zeiten wie diesen dürfen wir nicht die Menschlichkeit, unseren Nächsten, aus den Augen verlieren.

Sind wir hier um Egoist zu sein?
So fragt Silbermond. Eine gewichtige Frage, denn die Antwort ist mitbestimmend für den Charakter unserer Gesellschaft. Aber nicht nur das. Unsere jetzige Antwort, in Zeiten der Corona-Infektion, wird für eine Reihe unserer Mitmenschen über Leben und Tod entscheiden. Dies hören wir aus der Medizin, dies hat uns die Bundeskanzlerin in ihrer Ansprache am 18.3.2020 nochmals sehr deutlich gemacht. Doch später mehr davon. Fakt ist, dass es in Deutschland seit Jahrzehnten in vielen Bereichen immer besser geworden ist, es uns immer besser geht. Wir haben soziale Netze, die sicherstellen, dass niemand in unserem Land verhungern muss. Wir haben ein Gesundheitssystem, das für alle da ist. Dies nur zwei von vielen Beispielen.

Aber wir erleben ab und an auch eine gegenläufige Entwicklung. In den letzten Jahren erschienen vermehrt Berichte, die im Miteinander unserer Gesellschaft eine Verrohung beklagen. Wahrscheinlich hat fast jeder Beispiele dafür im Kopf. Seien es Autorennen im Straßenverkehr, wo in den Köpfen der Raser der Tod anderer keine Rolle mehr spielt. Sei es im politischen Leben, wo bewusst Fehlinformationen gestreut werden und Extremismus propagiert wird, die auch schon Menschenleben gekostet haben. Sind wir hier um Egoist zu sein, Egoist um jeden Preis?

Wir sind hier um Mensch zu sein!
So ist die Antwort von Silbermond. Was heißt Mensch sein? Für mich bedeutet dies, in einer Gesellschaft in einem friedlichen Miteinander zu leben. Die Basis unserer gesellschaftlichen Werte geht - auch heute noch - in einem nicht geringen Maße auf christliche Werte zurück. Aus dieser Perspektive gesehen sind wir alle Kinder Gottes. Wir müssen nicht jeden lieben, aber den Anderen achten, ihm seine Würde lassen. Für ein gleichberechtigtes Miteinander ohne Ansehen der Person, so wie es unser Grundgesetz vorsieht, gibt es viele tolle Bespiele. Wo über Grenzen von Herkunft, Geschlecht und Religion hinweg das Gebot Jesu „Du sollst den Nächsten lieben wie Dich selbst“ lebendig wird und sich realisiert. So sollte es sein, so hat es uns Jesus ans Herz gelegt und vorgelebt. Jetzt ist es an uns, Mensch zu sein, ihm zu folgen. Gerade in Zeiten wie diesen entsteht, fast zwangsläufig, für jeden von uns die Chance darüber nachzudenken – und zu handeln.

In Zeiten wie diesen ist es Zeit neu anzufangen!
Seit dem Auftreten der Corona-Pandemie sehen wir, wie unterschiedlich sich Menschen verhalten. Panik und Gelassenheit bestehen nebeneinander, ebenso wie Egoismus und Zuwendung. Drastische Einschränkungen unserer persönlichen Freiheit durch Anordnungen und Verfügungen von Regierungsseite werden sehr unterschiedlich hingenommen. Zur Zeit (18.3.2020) ist in Berlin jeder von uns aufgerufen, zu Hause zu bleiben und nur unter Menschen zu gehen, um das Notwendigste zu erledigen. Dies ist lebensrettend, insbesondere für Risikogruppen wie alte Menschen oder solche mit Vorerkrankungen. Während viele sich daran halten, gibt es auf der anderen Seite aber auch Partys in öffentlichen Anlagen.

Hier ist es an der Zeit neu anzufangen, neu im Sinne von tiefgehender Nachzudenken, dass es nicht nur um einen selbst geht. Durch das jetzige Handeln eines jeden von uns haben wir noch Einfluss darauf, wieweit wir einen dramatischen Notstand abwenden. Gelingt dies uns nicht, sind am Ende krasse Entscheidungen unausweichlich: Wer wird durch die begrenzte Zahl an Beatmungsgeräten am Leben erhalten – und wer nicht. Durch unser Verhalten bestimmen wir dies hier und jetzt mit. Ja gerade in der jetzigen Zeit, die uns aufwühlt, die uns manchmal entmutigen will, die Fragen stellt, die uns zu Entscheidungen zwingt, gilt es, mit Gottvertrauen Mut und Kraft zu schöpfen, aber auch den Nächsten zu sehen und unser Möglichstes tun.

In Zeiten wie diesen halten wir an uns fest!
Der Mensch braucht Zuwendung, ohne diese kann er nicht unbeschadet aufwachsen. In Zeiten wie diesen ist es meist die Familie, die einander einen wichtigen Halt gibt. Aber auch in unseren Gemeinden halten wir an uns fest, indem wir Gemeinschaft pflegen. Im Gottesdienst, in Gemeindeveranstaltungen konnten wir immer wieder Jesu Wort spüren: „Wenn zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind, so bin ich unter Ihnen.“ Dann wird Gottes Wort lebendig. So ist Gemeinde für mich meine „Große Familie“. Jetzt in Zeiten der notwendigen körperlichen Distanz haben wir Gemeinschaft im Wort, im Geiste. Es gibt schöne Ideen zum Ausprobieren: Möchten Sie einer Andachten folgen und haben kein Internet? Dann wählen Sie doch einmal 033056-435 447. Und sagen Sie es Menschen weiter, die kein Internet haben und Trost in Gottes Wort finden wollen.

Das Gefühl der Gemeinsamkeit wünsche ich uns allen, weit über alle Gemeindegrenzen hinweg, hinein in unsere gesamte Gesellschaft. Mögen wir bei all dem Stress, dem Frust, der Traurigkeit die wahrscheinlich auf uns zukommen werden, auch füreinander da sein. Mögen wir mit offenen Augen und Nächstenliebe denen helfen, die krank, gebrechlich oder einsam sind oder aus anderen Gründen Beistand brauchen. Halten wir uns aneinander fest.

Die Kraft dazu wünsche ich uns allen. Wir sind dabei niemals allein, denn Jesus verspricht: Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.

Mögen sie darauf vertrauen und gut durch diese Zeiten kommen!

Ihr
Dr. Rolf-Dieter Wegner