Schlüssel gesucht!

Schlüssel gesucht!
Veröffentlicht am Di., 18. Feb. 2020 17:29 Uhr
Pfarrer Domanski meint ...

Haben Sie schon einmal Ihren Schlüssel verloren? Ihren Auto- oder ihren Wohnungsschlüssel? Dann wissen Sie, was für ein Schreck einem in die Glieder fährt. Man guckt in die Tasche und stellt fest, er ist nicht mehr da. Die Gedanken beginnen zu rotieren: "Oh nein, jetzt nicht das noch." Man beginnt alle Taschen zu durchwühlen, den Weg, den man gegangen ist noch einmal abzugehen. Alle Orte aufzusuchen, wo man zuletzt war. Krampfhaft versucht man sich zu erinnern, wo man den Schlüssel zuletzt gehabt hat. Unwillkürlich malt man sich aus, was alles passieren kann. In die Wohnung wird eingebrochen. Das Auto ist längst weg. Manchmal bleibt der Schlüssel verschwunden und das bedeutet Rennereien und Ärger. Das Schloss muss ausgetauscht werden, sonst bleibt die Ungewissheit.

Und erinnern Sie sich noch an die Freude und Erleichterung, als Sie den Schlüssel wiedergefunden haben? Mit einem lauten Plumps fällt der Stein vom Herzen und man möchte singen vor Freude. Auf einmal macht das Leben wieder Spaß und eine tiefe Dankbarkeit durchströmt alles.

So ist das auch mit Gott und uns. Wenn wir erkennen, dass auf dem Grund des Seins die Liebe wohnt, wenn wir zurückkehren und erkennen, dass wir geliebt werden trotz unserer Fehler und unseres Versagens, dann wird auf einmal alles leicht und unsere Freude vollkommen sein, wie es in der Bibel heißt.

Vor 2000 Jahren waren Schlüssel selten. Sonst hätte Jesus bestimmt die Geschichte vom verlorenen Schlüssel erzählt: "Mit Gott und dem Himmelreich ist es wie mit einem Mensch, der seinen Schlüssel verloren hatte … " Ein Gleichnis vom verlorenen Schlüssel gibt es in der Bibel nicht. Aber Jesus hat viele ähnliche Geschichten erzählt: Von einem Mann, der ein Schaf verloren hat, und die 99 anderen stehen lässt, um es zu suchen. Die Geschichte vom verlorenen Sohn oder von der Frau, die ihre Silbermünze verloren hatte (Lukas-Evangelium, Kapitel 15).

"Genauso ist bei Gott im Himmel mehr Freude über einen Sünder, der ein neues Leben anfängt, als über neunundneunzig andere, die das nicht nötig haben," sagt Jesus. Die Freude ist gegenseitig. Jedes Mal, wenn ein Mensch umkehrt und anfängt Gott wirklich zu vertrauen, findet bei den Engeln im Himmel eine Party statt, ein Freudenfest. Und das ist auch richtig so. Was ist schon ein Schlüssel gegen ein Menschenleben. Wir müssen nur aufhören uns zu verstecken und uns finden lassen.

Ihr Pfarrer
Jean-Otto Domanski