Unannehmlichkeit oder Abenteuer?

Veröffentlicht am Mo., 18. Nov. 2019 09:58 Uhr
Aus der Gemeinde ...

„Ein Abenteuer ist eine Unannehmlichkeit, von der richtigen Seite aus betrachtet.“ hat G.K. Chesterton gesagt.

Am Ende unserer 5-Seen-Rundfahrt bleibt das Ausflugsboot auf dem Dieksee in Schleswig-Holstein plötzlich stehen, der Motor verstummt.
Was ist los? Ist etwas nicht in Ordnung? Wie unangenehm, dass wir jetzt hier nicht weiterkommen!

Wir schauen uns um und bemerken auf dem Schiff gesteigerte Aktivität: es werden Taue hin und hergetragen, und die ältere Dame, die eben noch den Kaffee serviert hat, hat plötzlich eine Schwimmweste an und klettert an der Außenwand des Schiffes entlang, um etwas vom Dach herunterzuholen.

Langsam bekommen wir mit, dass ein anderes Boot auf dem See einen Motorschaden hatte und von uns abgeschleppt werden soll.

Unser Schiff fährt wieder los, in einem weiten Bogen nähern wir uns dem Boot, dessen Passagiere uns an Deck schon sehnsüchtig entgegensehen. Direkt neben der Längsseite des anderen Bootes kommen wir zum Stehen, so dass die beiden Schiffe nun nebeneinander liegen. Mit Tauen werden sie miteinander verbunden, und dann fährt unser Kapitän vorsichtig los, das andere Schiff immer direkt neben uns. So nähern wir uns ganz langsam der Anlegestelle.

Die ältere Dame hat ihre Schwimmweste wieder ausgezogen und bringt die letzten Kaffeegedecke. Aber irgendwie geht sie anders als vorher, mit lebhafterem Schritt und geröteten Wangen.
Auch wir denken gar nicht mehr an den Ärger von vorhin. Nein, wir haben doch ein kleines Abenteuer erlebt! Wir haben das andere Boot gerettet und bringen es nun sicher in den Hafen.

Was zunächst wie eine Unannehmlichkeit aussah, ist ein Abenteuer geworden. Man muss es nur von der richtigen Seite aus betrachten.

Regina Schlingheider



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