Der Kapitän

Veröffentlicht am Mo., 24. Jun. 2019 17:58 Uhr
Angesagt!

Am vorletzten Tag unserer Ferien wollten wir von Malta aus zu einer kleinen Insel im Norden fahren, die Comino heißt.
Wir nahmen den Bus und fuhren an Maltas nördliche Spitze, wo es einen kleinen Hafen gleich neben dem Busbahnhof gibt.
Dort fragten wir nach der Fähre nach Comino.
„Das Boot fährt gleich ab!“ sagte man uns am Ticketschalter.
Glück gehabt! Aber als wir dann an die Anlegestelle kamen und ich das Boot sah, musste ich erstmal schlucken.
Es war keine Fähre, wie ich sie vom Ärmelkanal kannte, auch kein Dampfer wie auf dem Tegeler See, sondern ein sehr kleines Boot, auf das ca. 30 Menschen passten.

Ich habe ja lieber festen Boden unter den Füßen, deshalb: je größer das Schiff, umso sicherer fühle ich mich auf dem Wasser.

Aber nun gab es kein Zurück mehr, und wir bestiegen das kleine, schwankende Boot.

Und als wir dann aufs Meer hinausfuhren, verlor ich langsam meine Angst
Der Tag war zwar recht windig und die Wellen entsprechend hoch.
Auf dem blauen Wasser tanzten die Schaumkronen und oft spritzte Wasser ins Boot herein.
Aber ich merkte: der Kapitän fährt nicht in die Wellen hinein, sondern lenkt das Boot so, dass es nicht auf die Wellen prallt, sondern mit ihnen mit fährt.
Ich spürte: der Mann weiß, was er tut! Ich fühlte mich sicher und konnte die Fahrt, vor der ich mich gefürchtet hatte, sogar genießen.

Und als die Insel Comino in Sicht kam, holte ich sogar den Fotoapparat hervor und konnte in aller Seelenruhe ein paar Fotos machen.

Wenn ich jetzt an diese Fahrt denke, denke ich manchmal an sie wie an ein Gleichnis für das Leben.
Auch das Leben ist eine Bootsfahrt; oft schwankt es unter unseren Füßen, oft sind die Wellen hoch und es spritzt Wasser ins Boot herein.
Aber wenn wir einen guten Kapitän haben, einen, dem wir vertrauen und von dem wir wissen: Der weiß, was er tut!, dann verlieren wir die Angst und können das Leben genießen. Vielleicht nicht immer, aber immer wieder neu, weil wir in guten Händen sind – was auch passiert.

Wenn ich jetzt vor einer Herausforderung stehe oder mich vor etwas fürchte, dann denke ich manchmal an diese Überfahrt nach Comino, und dann stelle ich mir vor, in ein Boot zu steigen, in dem Jesus der Kapitän ist. Er weiß, was er tut, und wenn ich auch manchmal ein bisschen schwanke, mit ihm werde ich doch sicher ans Ziel kommen.

Ihre Regina Schlingheider



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