Zukunftskonferenz: Gemeinsam mitten im Leben

© Jean-Otto Domanski
Veröffentlicht am Di., 11. Jun. 2019 18:17 Uhr
Aus der Gemeinde ...

Am Ende gab es viele Aha-Momente und etliche gemeinsame Projekte für die Zukunft in der Kirchengemeinde Tegel-Borsigwalde, die im Januar ihr Fusionsfest gefeiert hat. In der Schlussrunde der Konferenz, die von Freitagabend bis Sonntagmittag (22. – 24. Februar) angesetzt war, gab es überwiegend positive Reaktionen auf den Versuch, gleich zu Beginn des gemeinsamen Weges auf Beteiligung der Gemeindebasis zu setzen.

Die Engagierten und an der Zukunft Interessierten aus den vier bisher selbständigen Gemeindeteilen wurden in einen Raum eingeladen und an viele Tische geholt. Als Konferenzort diente die Hoffnungskirche und das Team vor Ort hat während dieser Tage mit viel Liebe und Einsatz dafür gesorgt, dass immer etwas zur Stärkung für das leibliche Wohl im Foyer zu finden war. Auf die Einladung der Gemeindeleitung kamen … Teilnehmende. Damit sich auch das Pfarrteam und die Mitglieder des Gemeindekirchenrates am Prozess beteiligen konnten, wurde ein Moderatorenteam engagiert, das dafür sorgte, dass wirklich alle mit ihrem Anliegen zu Wort kommen können.

Der Freitagabend stand unter der Überschrift »Wie wir unsere Gemeinde erleben«. In Gesprächsrunden mit wechselnden Tischgruppen konnte man sich kennenlernen und austauschen. Man durfte und sollte auf die »Tischdecken« schreiben, denn es galt die Regel: bitte alle Ergebnisse festhalten. Bei Tischwechseln konnte man auf diese Weise noch etwas Anteil nehmen an der vorherigen Runde und Kommentare dazugeben. Der Freitagabend dauerte zwar bis 22.00 Uhr, aber wurde kurzweiliger als von manchen zunächst vermutet.

Am Samstagmorgen ging es wieder frisch ans Werk. Die Tischgruppen waren nun homogen besetzt und bestanden entweder aus einer Interessengruppe, einem Gemeindekreis oder Mitarbeiterteam der neuen Großgemeinde. Ziel war es, gemeinsame Werte zu entdecken und zu überlegen, was gut läuft und wo etwas verbessert werden könnte. Die Ergebnisse wurden wie auf einem Marktplatz ausgestellt und man informierte sich in regem Austausch. Anschließend vollzogen alle in Gedanken einen großen Zeitsprung in das Jahr 2024. Eine Stille-Phase lud dazu ein, in sich hinein und auf Gott zu lauschen. Was ist meine Hoffnung? Welche Veränderungen werden sich vollzogen haben? Wie wirkt Gott dann durch die Gemeinde hinein in die Nachbarschaft? Wofür hatte ich mich in den letzten Jahren eingesetzt?

Alle Tischgruppen waren aufgefordert, ein gemeinsames Bild von der Zukunft der Ev. Kirchengemeinde Tegel-Borsigwalde zu gestalten und auf kreative Weise darzustellen. Es war faszinierend zu beobachten, wie viele Gemeinsamkeiten es schon gab. Am Sonntag schließlich gab es zuerst mal Raum, um sich gegenseitig mit einem kleinen Ritual für die persönlichen Herausforderungen auf dem Weg in die Zukunft zu segnen. Und damit es nicht nur heißt »gut, dass wir mal darüber geredet haben«, ging es dann daran, praktisch in die Umsetzung zu kommen. Jeder hatte die Gelegenheit zu überlegen, für welche der am Vortag zusammengetragenen Ideen, er als Pate zur Verfügung stehen will, um bei ersten Schritten der Umsetzung zu helfen. Es durften auch Vetos eingelegt werden, was aber nicht in Anspruch genommen wurde. So kamen die folgenden acht Projektideen zustande: Jugendkirche, neue Konzeption für Fahrdienste, eine Kletterwand, ein digitales »Schwarzes Brett«, eine Ehrenamtsbörse, ein zentraler Standort, ein Stadtteilfest, ein Gottesdienst für Fromme und Zweifler. 

Vor dem Mittagessen blieb noch ausreichend Zeit, um rund um die »Projekt-Paten« Initiativgruppen zu bilden, die dann eine erste Ideensammlung zu Umsetzungsschritten besprachen und aufzeichneten. Es war wieder ein lebendiges Marktplatzgeschehen, bei dem man umherwandern und auch zu mehreren Vorhaben seinen »Senf« dazugeben konnte. Die für manche etwas ungewohnte, aber abwechslungsreiche Methodik sorgte insgesamt dafür, dass wirklich alle, die wollten, mit Ideen, Einwänden und Kritik zu Wort kamen.

Im großen Schlusskreis am frühen Nachmittag kam dies nochmal zum Ausdruck. In den Abschlussvoten wurde positiv festgestellt, dass Neue, die bisher noch nicht in den Prozess einbezogen waren, hiermit beteiligt wurden. Der Reichtum der jetzt »einen« Gemeinde sei deutlich geworden. Die Angst, dass es eine »Laberveranstaltung« wird, hatte sich nicht bestätigt. Man hat sich wohlgefühlt und ermutigt, weiter zu machen. Man war überrascht über die konkreten Ergebnisse und froh, gekommen zu sein. Eine Seniorin hofft, noch die Kletterwand erleben zu dürfen. Das Beste war, so viele Neue kennengelernt zu haben.

Es wird zwar noch ein längerer Weg zum »Wir« und zur Umsetzung mancher Projektidee, aber Angst wurde abgebaut. Spürbar war das Gefühl: Wir sind auf dem richtigen Weg und legen alles Gott ins Ohr und in seine Hände. Mit ihm an der Seite, gilt es jetzt anzupacken, um gemeinsam Kirche mitten im Leben zu sein – mitten in Tegel-Borsigwalde.

Birgit Dierks

(Beitragsfoto oben: Jean-Otto Domanski)

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