Das wunderbare Buch

Veröffentlicht am Di., 4. Jun. 2019 16:07 Uhr
Pfarrer Domanski meint ...

"Sie werden lachen - die Bibel." Das antwortete Bertold Brecht auf die Frage, welches Buch ihn am meisten beeinflusst hat. Trotzdem würden wohl die wenigsten Menschen die Bibel mit auf eine einsame Insel nehmen, wenn sie nur ein Buch mitnehmen dürften. Für viele ist die Bibel ein Buch mit sieben Siegeln, das man lieber den Pfarrern überlässt. Andere lesen sie ganz unbefangen, schöpfen Trost, Rat und Kraft aus ihr - und begegnen Gott.

Für viele Christen ist klar, dass die Bibel für den Glauben irgendwie wichtig ist. Aber sie ist ihnen zu dick und kompliziert und spielt in ihrem täglichen Leben kaum eine Rolle. Andere lieben sie, nehmen sie ernst, und richten ihr Leben nach ihr aus. Manche glauben, dass die Bibel von Gott diktiert und deshalb objektiv wahr ist. Und sie fangen an für sie zu streiten, wenn die Aussagen der Bibel in Widerspruch zu wissenschaftlichen Erkenntnissen geraten.

Die Bibel ist eine ganze Bibliothek. Sie enthält Texte, die über rund 1000 Jahre entstanden sind: Historische Berichte, Reden, Gebete, Fabeln, Erzählungen, Sprichwörter, Lebensbeichten, Briefe, Liebesgedichte und vieles mehr. Sie ist das wahrscheinlich am gründlichsten untersuchte Buch der Welt. Ihre Berichte sind genauer als viele andere historische Zeugnisse. Trotzdem ist die Bibel kein objektives Geschichtswerk sondern ein zutiefst subjektives Buch. Sie handelt von den Erfahrungen, die Menschen mit dem Leben und mit Gott gemacht haben. Und die sind oft erstaunlich aktuell.

Wer sich mit der Bibel beschäftigt stellt fest: Die Worte gehen unter die Haut. Besonders dann, wenn man selbst auf der Suche oder in einer schwierigen Situation ist. Plötzlich weiß man, diese Worte sind für mich. Gott redet mit mir und das sehr persönlich. Die alten Texte werden lebendig. Und aus dem Buch mit sieben Siegeln wird ein Liebesbrief. Natürlich trifft das nicht auf alle Texte zu. Manche sind einfach nur schwere Kost. Deshalb ist es gut, dass in der Bibel so viele unterschiedliche Menschen und Erfahrungen zu Wort kommen. Weil wir selbst auch unterschiedlich sind.

Ihr Pfarrer Jean-Otto Domanski

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