Der Frühling steht vor der Tür!

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Veröffentlicht am Do., 28. Mär. 2019 15:44 Uhr
Pfarrerin Waetzoldt überlegt ...

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht (Johannes 12,24).

Einige wundervoll warme, sonnige Tage liegen hinter uns – der Frühling steht vor der Tür! Wenn es soweit ist, dann sehne ich mich nach neuen Pflanzen: Die Blumenkästen auf dem Balkon werden bepflanzt und ich fange an, Blumen für den Sommer auszusäen. Das ist für mich immer etwas ganz Besonderes. Ein Samenkorn in die Erde zu legen und zu warten, was passiert: Dass nach einigem Warten die Keimlinge mit ihren ersten beiden grünen Blättern die Erde durchbrechen – wie ein kleines Wunder ist das!

Und wer dann schon einmal nachgeschaut hat, was aus dem Samenkorn geworden ist, weiß, dass nichts mehr von ihm zu finden ist. Und das Wunder geht weiter, wenn wir beobachten, wie aus einem winzig kleinen Keimling schnell eine Pflanze heranwächst, die ganz anders und viel größer ist als sein Ursprung, das kleine Samenkorn, das wir in die Erde gelegt haben.

Dieses Bild vom Samenkorn nutzt der Evangelist Johannes, um den Leidensweg von Jesus und seinen Tod verständlich zu machen. Er schreibt: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

Dieser Vers wurde auch zur Grundlage des Textes eines der Passionslieder, die unser Gesangbuch enthält: Das Lied "Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt“ ist ursprünglich ein altes Weihnachtslied, zu dem der Theologe Jürgen Henkys 1976 einen Ostertext dichtete. Darin wird in ungewohnter Form wird über das Leiden und die Auferstehung Jesu nachgedacht. Die erste Strophe erinnert an die Geschichte vom Weizenkorn.

Das Korn muss sich in der Erde auflösen, damit neues Leben hervorgebracht wird. Der Keim durchbricht den dunklen Ackerboden und strebt ans Licht. Vom menschlichen Standpunkt war die Liebe Gottes zu Jesus gescheitert. Er wurde gekreuzigt, starb und wurde begraben. Aber Gottes Handeln ist schöpferisch. Er holt Leben aus dem Tod, gegen allen Anschein. Die Liebe wächst, aus dem Dunkel ans Licht.

Die zweite Strophe wird noch deutlicher. Nach menschlichem Ermessen ist Gott selber mit seiner Liebe gescheitert. Diese Liebe trägt den Namen Jesus. Abgelehnt in allem, was er tat und verkündete, ist er gescheitert. Er wurde begraben und noch im Grab mit dem Stein versiegelt. Flucht unmöglich. Der Tod scheint das letzte Wort zu behalten. Aber Gottes Liebe lässt sich nicht einmauern. Aus dem Tod ersteht neues Leben, am dritten Tag.

Das bestätigt die letzte Strophe. Wie im Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld mag manches Wort Gottes unter Gestrüpp und Dornen fallen. Aber alles, was auf fruchtbaren Boden gefallen ist, wird mit dem dritten Tag kraftvoll aufwachsen. Und nichts wird es stoppen. Das Neue beginnt im Verborgenen und die Liebe lädt uns ein, dem grünen Halm etwas zuzutrauen.

Gerade wenn es uns nicht so gut geht, ist es wichtig, dass wir die Hoffnung und den Mut nicht verlieren. Dann kann es uns helfen, nicht zu verzweifeln, wenn wir Gott zutrauen, dass er alles wenden kann – vom Tod zum Leben. Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Woche.

Ihre
Pfarrerin Stephanie Waetzoldt


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