Im Land, wo ich kaufen kann

© Veronika Koroleva | Unsplash
Veröffentlicht am Di., 26. Feb. 2019 06:28 Uhr
Pfarrerin Gorgas denkt ...

»…ein Land, wo du Brot genug zu essen hast…« (5. Mose 8,9)

Alles ist wie immer. Der Kasten mit den leeren Flaschen steht bereit, der Zettel ist geschrieben, schnell noch die Kühltasche dazugelegt, für den Fall, dass ich doch Lust auf Tiefkühlkost bekomme, die ich nach Hause bringen muss. Alles ins Auto, los geht’s. Kurzes Bedauern, dass wieder die Zeit fehlte, den Stapel mit den Angeboten für die Woche gründlich zu studieren, die Chance des ultimativen Schnäppchens wieder vertan. Aber das hilft jetzt nicht, was sein muss, muss sein. Wocheneinkauf.

Überlegt, strukturiert, geplant, kalkuliert. Also los, ins Land, wo ich kaufen kann. Das Auto kennt den Weg. Zeit ist Geld, wie immer. Routinierter Griff zum kleinen runden Metallplättchen, ohne das ich die Kette nicht lösen kann, mit der der riesige Einkaufswagen an die riesige Schlange der anderen Wagen gebunden ist.

Mein Weg beginnt, mit dem Zettel in der Hand laufe ich los. Aufatmen, als ich überblicke, dass keine Umbauten stattgefunden haben, die mich zwingen würden, mich wieder völlig neu zu orientieren. Die Milch steht immer noch hinten links, Käse daneben, gesunder Joghurt mit echtem Aroma ist auch da, alles gut. Weiter also auf den vertrauten Wegen durchs Land der Möglichkeiten.

Nun muss ich mich entscheiden. An welcher Kassenschlange stelle ich mich an? Bei allen anderen geht es bestimmt schneller, aber da, wo ich stehe… Alles wieder raus aus dem Wagen, aufs Laufband, das sich ‚zielführend und nachhaltig’ auf die Kasse zubewegt. Gleich bin ich dran. Ich werde zur Kasse gebeten. Es piept, es scannt, es geht alles durch die Hände der Kassiererin. Und dann wird sie einen Satz sagen, den sie an diesem Tag vermutlich schon hundertmal gesagt hat. Professionell. Weil es zum Service gehört. Weil man das jetzt so macht. Sie sagt: »Und, war bei ihnen alles in Ordnung gewesen?« Was soll ich so schnell sagen? »Ja, ja«, sage ich und bin weg.

Aber der Satz kommt mit. War gewesen. Ich schmunzele über die Grammatik. Abgeschlossener kann die Vergangenheit gar nicht sein. Und ich denke über den Ordnungsbegriff nach. Was ist schon in Ordnung? »ein Land, wo du Brot genug zu essen hast…« War gewesen. Vergangenheit. Alte Geschichte. Nicht der Rede wert. Der Satz vom Land und dem Brot bringt meine Gedanken in Unordnung. Was ist mit diesem Versprechen GOTTes an SEIN Volk? Gelobtes, versprochenes Land? Milch und Honig. Weizen und Wein. Kein Hunger an Leib und Seele. Was haben wir gemacht aus GOTTes unschlagbarem Sonderangebot? War gewesen. Abgeschlossene Vergangenheit.

Oder doch lieber die Zukunft? Wird sein. Irgendwann wird niemand mehr Hunger haben. Irgendwann wird niemand mehr um Brot betteln oder gesagt bekommen, wo sein Existenzminimum liegt. Irgendwann. Das kann es doch auch nicht sein. Vielleicht probier ich es mit der Gegenwart: Ich bin nicht hungrig. Ich weiß um den Hunger in der Welt. Ich will Gutes tun können, ohne darüber reden zu müssen. Ich glaube GOTTes Zusage vom gelobten Land. Ich habe Möglichkeiten. Wenn ich die Vergangenheit nicht abtue, als hätte sie so gar nichts mit meinem Leben zu tun.

Wenn ich nicht in die Zukunft hineinlebe, als gäbe es niemanden nach mir. Wenn ich das Wort der Schrift ernst nehme. Kein war gewesen und kein wird sein. Sondern: Es ist. Weil ER ist. Der EWIGE. Der BARMHERZIGE. Der GÜTIGE. Höchstes Gut in meinem Leben. Unbezahlbar. Unendlich günstig. Niemals billig zu haben. Wenn das in Ordnung ist, ist das Land gut, wo du Brot genug zu essen hast. Dann ist Zeit zum Leben. Zu Hause packe ich aus, fülle die Vorräte auf. Es ist alles in Ordnung. Ich habe soviel. Viel mehr, als ich brauche. Und ich bin soviel mehr, als ich habe. Das hat GOTT mir so versprochen. Das ist SEIN Lebensangebot. Gültig bis in alle Ewigkeit.

Ihre
Pfarrerin Barbara Gorgas


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