Spuren hinterlassen

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Veröffentlicht am Mo., 28. Jan. 2019 17:41 Uhr
Aus den Gemeinden ...

Neulich war ich auf einer Beerdigung in einer hessischen Kleinstadt. Da der Verstorbene viele Jahre in der Stadtverwaltung gearbeitet hatte, ließen es sich der Bürgermeister und andere Honoratioren nicht nehmen, Nachrufe zu verlesen. An deren Inhalt erinnere ich mich kaum.

Was mir jedoch im Gedächtnis ist: Seine Familie hatte eine Erinnerung an ihn in Form eines Briefes verfasst, der auf der Feier vorgelesen wurde. Darin erwähnten seine Töchter, dass sie als Jugendliche immer samstags mit dem Vater einkaufen gingen. Und eigentlich kam dann immer eine von ihnen mit der Zeitschrift „Bravo“ in der Hand an und sah den Vater, bevor sie sie in den Einkaufswagen legte, fragend an. Und das Lächeln des Vaters und sein „kaum merkliches Nicken“, das ist den Töchtern bis heute im Gedächtnis. Für mich ist das eine wunderbare Erinnerung an diesen Menschen.

Die "Bravo" im Einkaufswagen zeigt mir, wie man das macht: im Leben Spuren hinterlassen. Diese Spur hat – im Gegensatz vielleicht zu dem, was der Bürgermeister in seinem Nachruf sagte – nichts mit Leistung zu tun, sondern mit Liebe. Und sie ist nicht bewusst gelegt worden. Ich wette, der Vater würde sich, wenn man es ihm erzählen könnte, selbst kaum erinnern an diese Sache mit der "Bravo". 

In uns allen ist die Sehnsucht, Spuren zu hinterlassen. Die schönsten Spuren sind die unbewusst gelegten, die, um die wir uns überhaupt nicht kümmern. Die kaum merklich entstehen, einfach, weil wir lieben.

Ihre
Regina Schlingheider


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