9. November – Schicksalstag der Deutschen

© Maike Möller
Veröffentlicht am Mo., 19. Nov. 2018 09:55 Uhr
Pfarrer Vogel findet ...

So hat den 9. November mal jemand genannt. Jedenfalls ist er ein wichtiger Tag in der jüngeren deutschen Geschichte: Vor 100 Jahren wurde am 9. November die erste deutsche Republik ausgerufen, vor 29 Jahren ging mit der Grenzöffnung zwischen Ost- und Westberlin die 40jährige Diktatur der Arbeiterklasse in Ostdeutschland zu Ende. Vor 80 Jahren begann mit dem Pogrom in der Kristallnacht die systematische Vernichtung der Juden in Deutschland und in den von Deutschen eroberten Ländern in Europa. 6 Millionen Juden sind dem deutschen Terror zum Opfer gefallen, davon 1,5 Millionen Kinder, die auf unglaublich grausame industrielle Weise in den Vernichtungslagern ermordet wurden.

Bei unserer Gedenkveranstaltung des Kirchenkreises Reinickendorf in Frohnau zeichnete Rabbiner Nils Ederberg auf eindrückliche Weise die Geschichte der Juden in Deutschland nach und zeigte damit, dass es in 1000 Jahren, in denen Juden in Deutschland leben, kaum Zeiten gab, in denen sie wirklich freie Bürger mit den gleichen Bürgerrechten waren. Obwohl es immer wieder Menschen gibt, die das versuchen in Frage zu stellen, sind Juden heute in Deutschland seit dem Bestehen der Bundesrepublik völlig gleichberechtigte Bürger.

Und so es stellt sich rückblickend die Frage, wie die Idee entstehen konnte, dass Menschen, die im gleichen Land leben, unterdrückt, herabgewürdigt, vertrieben werden konnten, bis hin zur Vernichtung, nur weil sie eine andere Religion hatten.

Wenn Neu-Nazis, ob von der AFD oder der NPD oder woher auch immer, heute wieder gegen Juden und Ausländer hetzen, dann ist dies das Denken verdrehter Gehirne, die aus der Geschichte nichts gelernt haben.

Es ist die gleiche menschenverachtende Ideologie, die zu den unzählbaren Opfern in der Nazizeit geführt haben, die heute wieder in unserer Gesellschaft zu finden ist, in antisemitischen Beiträgen in den Medien, besonders bei den rechten Gruppierungen und Parteien, die sich wieder offen auf der Straße zeigen, ohne Scham und ohne historisches Gewissen.

Als Christen treten wir dem entgegen. Wir sind solidarisch mit den Schwachen, mit Flüchtlingen und Ausgegrenzten. Wir sind den jüdischen Mitbürgern Schwestern und Brüder im Glauben. Wer Synagogen, jüdische Friedhöfe und jüdische Einrichtungen schändet, Juden beschimpft und angreift, der trifft auch uns Christen ins Herz.

Dem jüdischen Messias Jesus von Nazareth nachzufolgen bedeutet, dass jeder Glaubende Stellung bezieht gegen Hass und Gewalt und Antisemitismus hier und heute.

Ihr
Pfarrer Egbert Vogel


(Foto: Maike Möller)

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