Zum Abendmahl einladen

Über einen Diskussionsprozess in der EKBO

Die Landessynode hat 2018 die Gemeindekirchenräte und alle evangelischen Christ_innen in Berlin und Brandenburg und der schlesischen Oberlausitz zu einem Diskussionsprozess über das Abendmahl eingeladen. Ausgehend von einer Bestandsaufnahme und sieben Leitthesen, die die Kirchenleitung am 24. August 2018 herausgegeben hat, wurden im letzten halben Jahr landeskirchenweit Gespräche über die Praxis der Abendmahlseinladung geführt.

Bestandsaufnahme und Leitthesen sind geprägt von 3 Grundeinsichten:

  1. Beide Sakramente der evangelischen Kirche – Taufe und Abendmahl – sind bleibend aufeinander bezogen. Die Verfasser_innen beschreiben die Taufe als »das Sakrament des Beginns« und das Abendmahl als »das […] der Wegzehrung«.
  2. Der auferstandene Christus lädt an den Tisch der Gemeinschaft mit Gott ein und wir geben diese Einladung weiter.
  3. In den vielen Gemeinden unserer Landeskirche wird auf vielfache Art und Weise zum Abendmahl eingeladen: »Vielfältiges besteht nebeneinander, zum Teil differierend von einer Gemeinde zur Nachbargemeinde oder zum Nachbarkirchenkreis«.

Vor allem der letzte Punkt war offenbar Anlass für Kirchenleitung und Landessynode, über »mögliche Rahmenpunkte einer gemeinsam verantworteten Einladungspraxis« mit den Menschen und Kirchengemeinden ins Gespräch zu kommen. Am Ende dieses Diskussionsprozesses soll ein Beschluss der Landessynode stehen, der Impulse für eine gemeinsame Praxis formuliert, wie wir in der EKBO im Namen Jesu zum Abendmahl einladen.

Neben der Feststellung der genannten 3 Grundeinsichten kreisen Bestandsaufnahme und Leitthesen um 4 Themen bzw. Anliegen, die nach Ansicht der Verfasser_innen in Bezug auf das Abendmahl einer Klärung bedürfen. Gleich als 1. wird die Frage genannt, ob Kinder, die getauft, aber noch nicht konfirmiert sind, in unseren Gemeinden zum Abendmahl eingeladen sind und an diesem teilnehmen. Die Praxis ist verschieden – auch in Tegel-Borsigwalde wird unterschiedlich in den einzelnen Pfarrbezirken mit dem Thema Abendmahl für Kinder umgegangen. Die Leitthesen formulieren hier klar den Wunsch, die Landessynode möge in der Zukunft zu dem Beschluss finden, dass »alle Getauften unabhängig von Alter oder anderen Voraussetzungen an den Gaben und der Gemeinschaft des Abendmahls teilhaben können«. Denn ebenso wenig wie die Taufe sollte auch das Abendmahl »an alters-, entwicklungs- oder bewusstseinsbezogene Zugangsfragen geknüpft werden«.

Das 2. Thema ist der Wunsch am Abendmahl teilzunehmen, wie er von Getauften, die aus der Kirche ausgetreten sind, geäußert wird. Hierbei stellen die Verfasser_innen der Leitthesen einerseits den Umgang damit in die Verantwortung der Leitungen bzw. Pfarrer_innen der Kirchengemeinden, die mit den Einzelnen das Gespräch suchen werden. Sagen aber andererseits, dass eine »Zurückweisung […] ein unangemessenes Signal« sei, denn »das Teilhaben ohne Kirchenmitgliedschaft ist nicht gleichzusetzen mit einer unwürdigen, also nicht glaubenden oder verachtenden Teilhabe«.

3. wird die Teilnahme am Abendmahl von Menschen, die nicht getauft, aber erkennbar auf dem Weg zur Taufe sind, thematisiert. Die Leitthesen halten fest am Abendmahl als einem »Mahl der christlichen Gemeinde, für alle, die durch ihre Taufe in den Leib Christi, in die Gemeinschaft der Christenheit, aufgenommen sind«. Dennoch sind sich die Verfasser_innen durchaus bewusst, dass gerade in diesem Punkt theologische Überzeugung und praktisches Handeln in der unmittelbaren Situation des Gottesdienstes in Spannung treten können und seelsorgerliches Handeln im konkreten Einzelfall angemessen ist.

Schließlich wird als 4. Anliegen der Verfasser_innen in den Leitthesen eine Änderung unseres Sprachgebrauchs vorgetragen: eingeladen statt zugelassen. Demnach »haben wir von einer vor Gott und der Gemeinde verantworteten Einladung aller zu sprechen, auf die Voraussetzung des Taufsakraments hinzuweisen sowie von der Bedingungslosigkeit der Tischgemeinschaft Gottes mit uns zu sprechen«. Zusammenfassend kann als zentrales Anliegen der Leitthesen der Kirchenleitung festgehalten werden, dass beide Sakramente aufeinander bezogen bleiben und die Taufe die Voraussetzung für die Teilnahme am Abendmahl ist. Und weiter, dass die Einladung zum und die Teilnahme am Abendmahl genauso wenig wie die Taufe »an alters-, entwicklungs- oder bewusstseinsbezogene Zugangsfragen geknüpft werden« sollte.

Wie im letzten Gemeindemagazin zu lesen war, hat auch unser Gemeindekirchenrat darüber beraten. Im Jahr 2020 wird das Abendmahl Schwerpunkthema in unsrer Gemeinde sein und Sie sind eingeladen, bei verschiedenen Veranstaltungen miteinander ins Gespräch zu kommen. Vikar Sebastian Gebauer Zitate sind der Bestandsaufnahme und den Leitthesen der EKBO-Kirchenleitung entnommen, diese können Sie im Internet hier nachlesen.

Vikar Sebastian Gebauer

 

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